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Unser Programm von Januar bis Juni 2018 hier als Download

Hier erhalten Sie die pdf-Datei mit unseren Veranstaltungen von Januar bis Juni 2018: Durch Mausklick auf die unterschiedlichen Textbereiche gelangen Sie jeweils zur entsprechenden Internetseite. 

Programm bis Dezember

Die Veranstaltungen der Evangelischen Arbeitsstelle bis Dezember 2018 als Download des Halbjahresprogramms 2/2018

04.05.2016

Gottesdienst der ehemaligen ALSTOM Mitarbeiter in Bexbach


© Evangelische Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft

Ehemaliges ALSTOM-Betriebsgelände | Turbinenschaufeln werden noch produziert

Ökumenische Kirchenvertreter und Betriebsrat beim Treffen am 18. März v.l.n.r.: Dekan Pirmin Weber, Betriebsseelsorger Thomas Eschbach, Betriebsratsvorsitzender Kai Müller, Pfarrer Sascha Müller, Pfarrer Wilfried Bohn, Pfarrer Christoph Krauth, Ersatzmitglied des Betriebsrats Fred Keller, Klaus Drumm, Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann, Stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Ralph Vowinkel, Pfarrer Thomas Risser, Pfarrer Jürgen Sawitzki, Betriebsratsmitglied Jürgen Metzinger.

 

Beten über den eigenen Bauchnabel hinaus | Gottesdienst in Bexbach zum 1. Mai mit Beschäftigten von General Electric (ALSTOM) (Nachtrag vom 4. Mai 2016)

„Das hätte ich mir nie vorstellen können …“ - Petra Lück-Schmidt ist spürbar bewegt nach der Bekanntgabe von General Electric, dass das ehemalige ALSTOM-Werk in Bexbach geschlossen wird. „Schon meine Mutter hat hier gearbeitet“, sagt sie weiter. Aber auch, dass sie gemeinsam mit anderen kämpfen wolle, um die Arbeitsplätze zu erhalten.

Das Thema im Gottesdienst am 1. Mai in der Kirche St. Martin in Bexbach ist nicht nur hörbar: Transparente an den Kirchenwänden machen die Positionen der Belegschaft deutlich. Über 250 Gottesdienstbesucher nehmen teil am Schicksal der Belegschaft. „Keine Turbinenschaufeln mehr aus Bexbach“, sagt Pfarrer Andreas Münck in seiner Begrüßung. Er beschreibt den Weg, der den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der früheren Firma ALSTOM seit Januar diesen Jahres wie ein Horrorszenario vorkommt und die Schließung des Werkes bis Ende 2017 zum Ziel haben soll.

Betriebsratsvorsitzender Kai Müller informiert über die schwierigen, weit über das Bexbacher Werk hinausgehenden Verhandlungen auf europäischer Ebene.

Die Wortbeiträge der Beschäftigten beschließt Martin Paul im Gottesdienst mit einer Geschichte, die aufzeigt, was Zusammenhalt bewirken kann. In der anschließenden Predigt befasst sich Pfarrer Wilfried Bohn mit dem arbeitenden Gott der Bibel, der die Menschen erst erschaffen hat, als alle Drecksarbeit erledigt ist. Ihre Aufgabe sei es, weiter an der geschenkten Schöpfung zu arbeiten, sie zu bebauen und zu bewahren. „Kirche kann zweierlei leisten: über den eigenen Bauchnabel hinaus beten und sich zudem durch solche Veranstaltungen aktiv für soziale Gerechtigkeit einsetzen.“

Klaus Drumm von der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft in Kaiserslautern  ist einer der Initiatoren des Gottesdienstes: „Das war ein stimmiger und bewegender Gottesdienst. Ich hoffe, er gibt den Menschen in Bexbach Kraft, sich weiter zu wehren“.

Meldung vom 21. März 2016: Betriebsrat der ehemaligen ALSTOM  in Bexbach „Wir wurden geschluckt  und sollen jetzt ausradiert werden“

Der Betriebsrat des Energieanlagenbauers der ehemaligen Alstom Power GmBH in Bexbach zieht alle Register zur Erhaltung der Arbeitsplätze. Doch alle Vorschläge zur Neuausrichtung des Werks nach der Übernahme durch den ehemaligen Marktkonkurrenten General Electric stießen bislang auf taube Ohren beim amerikanischen Management. Die Produktion von Turbinenschaufeln für Kraftwerke ist längst reduziert, Maschinen wurden im vergangenen Januar an den Standort Birr in der Schweiz verlagert. Nun bangen die verbleibenden rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um ihre Existenz. Und damit ihre Familien im Saarland und der angrenzenden Westpfalz.

Am Vormittag des 18. März trafen sich Betriebsrat, Referenten der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft sowie kirchliche Vertreter der umliegenden evangelischen und katholischen Gemeinden zu einem Informationsgespräch im Betrieb.

Zunächst erläuterte der stellvertretende Betriebsrat Ralph Vowinkel die bisherige Entwicklung seit Inbetriebnahme der ersten Halle 1970 auf dem Gelände: „Die Übernahme durch General Electric war am 2. November 2015, Mitte Januar 2016 erhielten wir die Mitteilung, dass der Standort bis Ende 2017 geschlossen werden soll. Ein erstes Restrukturierungsprogramm wurde bereits 2013 für den Standort beschlossen. Durch die sogenannte ‚Footprint-Strategie‘ wurde die Mitarbeiterzahl um 80 Kolleginnen und Kollegen reduziert. Fertigungsanlagen wurden entweder in die Schweiz verlagert oder stillgelegt. Auch hier wurden die konstruktiven Vorschläge der Betriebsräte ignoriert. Wir brauchen eine Zukunftsperspektive und haben dazu einen Technologieausschuss gegründet, um nach alternativen Produkten zu suchen, die General Electric für eine Weiterbeschäftigung begeistern.“

Die Belegschaft war geschockt von der angekündigten Schließung, arbeitet jedoch weiter und reagiert mit Plakataktionen oder gebastelten Mutmachern auf den angestauten Frust, doch die Kündigungen sind noch nicht auf dem Tisch. Ein Durchschnittsalter von 48 Jahren, viel technisches Know-how und wenig Perspektive.

Die Kirche und die umliegenden Gemeinden einzubeziehen, war die Idee der katholischen und evangelischen Kontaktpersonen des Betriebsrats, Diplom-Theologe Thomas Eschbach, Betriebsseelsorger im Bistum Speyer, sowie Pfarrer Sascha Müller und Klaus Drumm, Referenten der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft.

Betriebsratsvorsitzender Kai Müller ist auch Vorsitzender des europäischen Betriebsrats und überblickt die Folgen der geplanten Entlassungswelle bis Ende 2017, die deutschlandweit 1.700 Arbeitnehmer, 6.500 in ganz Europa treffen soll: „Gemeinsam kämpfen zählt immer noch. Doch statt eines Kampfes wollen wir einen Planwechsel und warten auf ein gescheites Konzept durch General Electric, wie es weitergehen kann. Unsere Belegschaft hier am Standort steht hinter dem Betriebsrat und gibt ihm ein Gesicht. Einem Mitarbeiter auf den Kopf zu mitzuteilen, dass er gehen kann, ist etwas anderes als Zahlen in Excel-Tabellen hin und her zu schieben. Der Platz für das Management am Verhandlungstisch ist noch frei.“

Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann ist Beauftragter der Evangelischen Kirchen im Saarland und reagierte gleich mit der Idee, in ökumenischen Gottesdiensten ein Forum für die Betroffenen herzustellen. Er sieht es als Aufgabe der ökumenischen Pfarrerinnen und Pfarrer vor Ort, den betroffenen Arbeitnehmern und deren Familien beizustehen: „Am schrecklichen Ausdruck ‚Humankapital‘ hängen Schicksale von Menschen. Kapital soll Menschen dienen und nicht umgekehrt.“

Die versammelten Kirchenvertreter sagten Unterstützung zu, wollen Unterschriften in den Gemeinden sammeln, für das Thema Gewerkschaftsrechte sensibilisieren und den konkreten Fall der ehemaligen ALSTOM Power AG mit in die Öffentlichkeit tragen.