Ausstellung Political Bodies

Am 8. September war der queer-feministische Queerulant*innen-Stammtisch zu Gast im mpk. Die Initiator*innen Katharina Disch (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Kaiserslautern), Claudia Kettering (Evangelische Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft) und Torsten Wilhelm (pro familia Kaiserslautern) sowie Benjamin Kosar (Leiter der Museumspädagogik am mpk) freuten sich über Besuch aus Mainz: David Profit, Staatssekretär im Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz, kam zum Termin angereist. Hanna Diedrichs genannt Thormann kuratierte die Ausstellung und gab nach einer interaktiven Runde mit Kleingruppen-Diskussion Einblicke in die Motive und Geschichten hinter den Gouache-Darstellungen.

David Profit, Staatssekretär im Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz und Benjamin Kosar, Leiter der Museumspädagogik am mpk, bei der Begrüßung

Beim Rundgang mit Hanna Diedrichs genannt Thormann

Der geschmiedete Badeanzug, den Kubra Kadhemi 2015 über ihrer Kleidung trug und dafür beschimpft wurde

Diskussion mit zuvor gelosten "geheimen" Rollen vor den Exponaten: Jasmin Awan, David Profit, Claudia Kettering, Danielle Regnault und Torsten Wilhelm

Bildbetrachtung

Viel Nacktheit, Ausschnitt aus dem Gouache-Bild "Parliament"

Claudia Kettering und Katharina Disch vor der Reihe mit religiösen Figuren. Links Noah, rechts Jona

Eine der ausgestellten Flak-Westen. Mit vielen Zusatztaschen. Nagelschere zum "Gepflegt-Aussehen-beim-Ankommen" oder als Waffe?

„Tritt zurück, Du bist ein Mädchen“. Gesellschaft fängt in der Familie an. Kubra Kadhemi wuchs in Afghanistan auf, studierte in Kabul Kunst, schmiedete einen eisernen Badeanzug, den sie 2015 in einer Gehperformance in der Stadt trug – diese musste sie abbrechen und nach Frankreich fliehen. Binnen weniger Minuten war sie umringt und als Schlampe beschimpft worden, Morddrohungen folgten. Seitdem lebt die Künstlerin und Performerin in Paris. In „Political Bodies“, ihrer Ausstellung im mpk Kaiserslautern, gibt es immer nur Frauen, aber viele Themen: Angst, Scham, Mut, Selbstbestimmtheit, Freiheit. Auch Sünde und das Sich-davon-Reinwaschen, die ewige Menstruation, Geburt und Abnabelung sowie die sexuell aktive Frau. Eine Bilderreihe zeigt zu Frauen gewordene Figuren aus Bibel, Koran und Torah: Ein weiblicher Noah, der in seine Arche nur Frauen einlädt, um sie zu beschützen; ein weiblicher Moses, der das Meer teilt. Auch Flucht ist ein Thema, unter anderem bei den mit Utensilien gefüllten olivgrünen Flak-Westen, die den in den unzähligen Taschen stöbernden Ausstellungsbesuchenden die Frage aufwirft: „Was würde ich mitnehmen, wenn ich flüchten müsste?“

Im anschließenden Gespräch mit Mitgliedern des Stammtischs ging es um Gewaltanschläge an queeren Menschen, um den Wunsch nach mehr Sichtbarkeit und um die nächsten Schritte zu einem Selbstbestimmungsgesetz. David Profit schätzte die Gelegenheit zum Austausch: „Ich bin froh, dass die Künstlerin noch am Leben ist und danke dem Museum Pfalzgalerie, dass es dieser Kunst Raum gibt. Unsere Welt ist komplizierter geworden. Menschen haben nicht das Recht, zu bestimmen, wer und wer nicht zur Gesellschaft gehört.“

Drei O-Töne:
 „Es bräuchte ein Queeres Zentrum, um sich gemeinsam zu halten und zu stärken und dies nach draußen hinauszutragen und die Gesellschaft mitzugestalten.“

„Ich mag diese Stammtischtreffen, weil ich einfach ich sein kann und dafür keine Panzer und keine Maske brauche.“

„Es ist doof, „geschützte“ Räume zu brauchen.“

Die Ausstellung endet am 11. September, der nächste queer-feministische Stammtisch in Kaiserslautern findet am 13. Oktober zum Thema „Drag“ statt, Infos unter Instagram: @queerulantinnen oder per E-Mail: Mail: wir(at)nospam queerulantinnen.de

(Text und Fotos: Nadja Donauer, Evangelische Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft)