Frauen verdienen mehr

Am 20. April trafen sich auf Initiative des Frauenarbeitskreises Frauen und Erwerb mehr als 40 Frauen zur Online-Veranstaltung „Frauen verdienen mehr! Mehr Anerkennung! Mehr Geld!“ Thema war die Situation von Hebammen in Deutschland auf dem Hintergrund, dass im ländlichen Raum immer mehr Geburtsstationen und damit verbundene Gynäkologien schließen.

Rita Höfer hat den Tag zusammengefasst.

Screenshot der "Willkommen"-Folie

Professorin Lotte Rose, die an der Frankfurt University of Applied Science zu Geburtskunde und Kindheitsthemen forscht, führte mit einem Impulsreferat ein.

Gebären ist in unserer Kultur heute kein Zufall mehr. Frauen entscheiden selber darüber, ob sie eine Familie gründen wollen. Grundsätzlich ist dies gut, führt aber zu großen Erwartungen, Frauen brauchen ein Motiv fürs Kinderkriegen, sie tragen eine große Verantwortung für die richtigen Entscheidungen rund um Schwangerschaft und Geburt. Schon im Vorfeld geht es um die entsprechende Vorbereitung und die Gestaltung der Geburt. Die individualisierte Erlebnisgesellschaft braucht Höhepunkte im Leben wie Hochzeit, Taufe und die Geburt wird zum Life-Event bei dem Väter ganz selbstverständlich dabei sein sollen. Der Druck auf die Schwangerschaft und Geburt ist groß, das Ereignis mit hohen Erwartungen überfrachtet und somit Enttäuschung auch damit vorausbestimmt, wenn es nicht so läuft wie gedacht. Aber Geburt ist etwas Normales, etwas Natürliches, etwas, was man nicht in der Hand hat, sie verläuft für jede Frau anders und ist auch Schicksal. Auch die derzeitige Auseinandersetzung mit den Folgen von Corona zeigt, dass nicht alles vorausplanbar ist. Dies anzunehmen ist entlastend.

Rund um Schwangerschaft und Geburt ist die Berufsgruppe der Hebammen im Spiel. Die Hebamme ist die zentrale Helferin der Gebärenden im Geburtsgeschehen. Berichtet wurde über Zahlen und Fakten. Viele Geburtshilfestationen wurden in den vergangenen Jahren geschlossen und gleichzeitig stiegen die Geburtenzahlen. Die neu gestaltete Ausbildungsordnung sieht heute ein Studium vor. Verbunden damit ist die Anerkennung der verschiedenen Entscheidungsbereiche und Tätigkeiten, die sich auch monetär auswirken sollten. Die Hebammenschülerinnen malten ihre Vision aus, in der geburtserfahrene Hebammen die Frauen in der Schwangerschaft begleiten bis zur Geburt im dafür gestalteten freundlichen Geburtshaus. Dieses Haus steht im besten Fall in der Nachbarschaft einer Klinik mit Medizintechnik,  die dann zur Stelle ist, wenn ärztliches Wissen bei schwierigen Fragen erforderlich ist. Sie warben für den Beruf der Hebamme. Hintergrund dafür ist auch, dass mittlerweile in vielen Regionen viele werdende Mütter lange nach einer Hebamme als vertrauensvolle Begleiterin vor und nach der Geburt suchen müssen.

Martina Bretz, Hebamme und Kreisvorsitzende des Hebammenlandesverbandes Rheinland-Pfalz für Regionen Mayen-Koblenz, Rhein-Lahn und Rhein-Hunsrück, Kristina Daum, freiberufliche Hebamme aus Schopp sowie die Hebammenschülerinnen Joana Franz und Anna Vettermann stellten den Teilnehmenden die besonderen Herausforderungen in der Corona-Pandemie vor. Martina Bretz berichtete vom Projekt Telehebammen in Rheinland-Pfalz, wo Telehebammen jungen Eltern per Video-Sprechstunde helfen. Die Hebammen waren sich jedoch einig, dass eine Onlinesprechstunde die vertrauensvolle Nähe und emotionale Beziehung zur Gebärenden bzw. Schwangeren und jungen Mutter in Präsenz nicht ersetzen kann.

Der Arbeitskreis Frauen und Erwerb ist ein Zusammenschluss von konfessionellen und nicht-konfessionellen Frauen, der sich in der Region Pirmasens dem Anliegen des Equal Pay Days verschrieben hat und auf die Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern aufmerksam macht, auf die meist bestehende Lohnlücke in den frauentypischen Berufen wie zum Beispiel Erziehung, Pflege und Handel. Dazu gehören: Frauen im DGB Westpfalz, Arbeitswelt und Familien im Bistum Speyer, Evangelische Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft Kaiserslautern mit dem Bereich Arbeitswelt, die Frauenarbeit im protestantischen Dekanat, der Landfrauenverband Pfalz, die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) im Dekanat und im Bistum Speyer, die Gleichstellungsbeauftragten von Stadt Pirmasens und Landkreis Südwestpfalz sowie die Katholische Familienbildungsstätte Pirmasens.

Bericht vom 22.4.2021 von Rita Höfer für „Frauen und Arbeit“ | Kontakt: Telefon 0151 14879992 | E-Mail: rita.hoefer@bistum-speyer.de