Männer und Kirche? Zukunftsfragen in der Haupttagung der EKD

„Was machen die heute wirkenden Megatrends aus uns Männern und aus dem Männerleben? Und was können Männer für die Zukunft der Kirche tun?“, mit diesen Worten eröffnete Gerd Kiefer, Leiter der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft sowie Vorsitzender der Männerarbeit der EKD, die Haupttagung des Verbandes.

 

Eigentlich war diese Tagung in Hannover geplant. Am 13. Mai 2020 war das anders, denn auch in Berlin, Dresden, Essen, Kaiserslautern, Nürnberg, Speyer, Stuttgart und in vielen entlegenen Orten nahmen insgesamt 40 Delegierte teil. Diese besprachen in einer vom „Evangelischen Zentrum Frauen und Männer“ realisierten Video-Konferenz alle Ideen, Fragen und Zukunftswünsche. Zum Teil mit, den Corona-Bedingungen geschuldeten, schlechtfrisierten und langbärtigen Männern auf den Bildschirmen.

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Ökonom und Zukunftsforscher Erik Händeler orientierte sich in seinem Vortrag an den Trends der Wirtschaft und riet zur kooperativen Entwicklung einer Universalethik, die sich nicht am Eigennutzen orientiert: „In der Wissensgesellschaft ist Kommunikation das zentrale Problem. Die Männer werden lernen müssen, ihre Befindlichkeiten auszudrücken. Das gehört in der Zukunft zur Kernkompetenz.“

Unter dem Motto „Gegenwartskrise der Kirche“ untersuchte der zweite Referent der Tagung Prof. Dr. Georg Lämmlin, Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD die Beziehung von Männern zu Glauben und Kirche, eine Beziehung, welche bereits vor Beginn der Pandemie gestört war und die laut Prognosen auf eine Halbierung der Kirchenmitgliedschaften in der kommenden Generation zusteuert: „Die Kirche wird Antworten auf die spirituellen Bedürfnisse der Menschen geben müssen und demgemäß ihre Botschaft erneuern.“ Solche Antworten lägen für Männer etwa im Bereich von Konkurrenz und Kooperation. „Da wären Stichworte: Leben in Verbundenheit, Achtsamkeit und Anerkennung, Raum für die ‚Macht des Heiligen‘ und der Sinn, mit dem wir unser Leben gestalten.“ Lämmlin stellte vor, Männer als kirchliche Entrepreneure zu betrachten, denn „im Beruf können sie es ja auch“.

Der Geschäftsführer und Leiter des Fachbereichs Männer Martin Rosowski startete mit einer Diskussion, welche Beiträge Männer für die Zukunft der Kirche leisten können: „Wichtige Ergebnisse sind: Männer engagieren sich in der Kirche gerade auch in übergemeindlichen Kontexten. Auch dort ereignet sich Gemeinschaft der Gläubigen. Viele Männer interessieren sich für spirituelle Ansätze jenseits traditioneller Formen, die sie zum Beispiel in Naturerfahrungen suchen. Und wir sollten auch danach fragen, wie die geschlechtliche Identität der Menschen im Pfarramt reflektiert und auf die kirchliche Arbeit bezogen werden kann.“

Für die Zukunft der evangelischen Männerarbeit sei es wichtig, „die Kirche beim Weiterentwickeln der vorgestellten Ansätze so zu gestalten, dass Kooperation und Vertrauen eine große Rolle spielen“, sagte Gerd Kiefer zum Ende der Tagung. „Die Online-Konferenz hat gezeigt, dass wir auch in einer solchen Form produktiv arbeiten können. Ich freue mich aber schon auf ein richtiges Treffen, bei dem wir die Gemeinschaft untereinander wieder konkret erleben dürfen.“