Auf der Leinwand erscheinen Frauen meist jung, schlank, schön. Was wir kaum sehen, sind Frauen über 50. Mehrgewichtige Frauen. Frauen mit vielfältigen kulturellen Hintergründen. Diese Einseitigkeit endet nicht vor der Kamera – sie setzt sich hinter den Kulissen fort.
Denn dort arbeiten viele Frauen in Berufen, die essenziell sind, aber selten wahrgenommen werden: Tontechnikerinnen, Beleuchterinnen, Regieassistentinnen, Kostüm- und Maskenbildnerinnen, Cutterinnen, Requisiteurinnen, Dekorateurinnen, Location Scouts und viele andere. Ohne sie gäbe es keinen Film. Und doch sind gerade sie im Alter besonders gefährdet.
Frauen tragen in der Filmbranche doppelt schwer. Ihre Arbeitsrealität ist geprägt von projektbasierten, befristeten Jobs. Von langen Phasen ohne Einkommen. Sie haben häufiger unterbrochene Erwerbsbiografien durch Kinder, Pflege oder Teilzeit. Sie arbeiten in einer Branche, deren extreme Arbeitszeiten kaum mit Familie vereinbar sind. Sie verdienen oft weniger als Männer, mit niedrigeren Tagessätzen, und weniger Verhandlungsmacht. Schauspielerinnen verlieren ab einem bestimmten Alter drastisch an Rollenangeboten. Und viele können aufgrund unregelmäßiger Honorare kaum privat vorsorgen. Traurige Normalität sind schwankende Rentenbeiträge, fehlende Planungssicherheit und geringe soziale Absicherung. Über Jahrzehnte entsteht so ein lückenhafter Erwerbsverlauf: ein direkter Weg in die Altersarmut.
Ein biblischer Satz bringt die Sehnsucht nach Gerechtigkeit auf den Punkt: „Der Arbeiter ist seines Lohnes wert.“ (1. Timotheus 5,18). Nicht nur an dieser Stelle erinnert uns die Bibel daran, dass jede Arbeit Anerkennung und faire Entlohnung verdient. Ein Grundsatz, der bis heute gilt.
Lasst Euch einladen, bewusst hinzuschauen: auf Frauen, deren Arbeit unsichtbar bleibt, auf Bedingungen, die Altersarmut begünstigen, auf Strukturen, die Ungleichheit festschreiben, und auf Lebensleistungen, die Anerkennung verdienen.
Lasst uns die Menschen sichtbar machen, die sonst im Schatten stehen – im Film und im echten Leben.
Dagmar Eck und Silke Scheidel, Evangelische Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft der Evangelischen Kirche der Pfalz